Dr. Dr. h.c. Carl Heinrich Ihmels

Missionsdirektor von 1923 bis 1960

Carl Heinrich Ihmels wurde am 24. Oktober 1888 als Sohn des Pastors und späteren Professors und Landesbischofs Ludwig Ihmels geboren. Er wuchs in Loccum bei Hannover, Erlangen und später in Leipzig auf. Nach dem Abitur 1907 studieret er Philosophie und Theologie in Leipzig, Erlangen und Göttingen. Die beiden theologischen Examina legte er 1911 und 1914 in Hannover ab.

Zunächst wählte ihn die nordfriesische Inselgemeinde Baltrum zu ihrem Pastor. Dort  unterrichtete er auch in der Volksschule. 1916 wechselte er in die Gemeinde Westrhauderfehn. Im selben Jahr wurde er in Erlangen mit einer philosophischen Dissertation promoviert.

1919 heiratete er Annamarie Scharwächter aus Leipzig. Mit ihr zusammen wird er sechs Kinder aufziehen.
1923 berief ihn das Kollegium der Evangelisch-lutherischen Mission zu Leipzig zum Nachfolger von Professor Carl Paul. Ihmels hatte sich zwar schon in der Schulzeit sehr für die Missionsarbeit interessiert und engagiert, hatte sogar konkrete Pläne, selber in den Missionsdienst nach Indien zu gehen. Trotzdem war die Berufung für denn damals knapp 35-Jährigen und auch andere eine große Überraschung.
Ihmels hat das Amt des Direktors so lange ausgeübt wie kein anderer: insgesamt 37 Jahre bis 1960. Ab 1926 bis nach 1945 leitete er das Missionswissenschaftliche Seminar der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. 1930 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät Erlangen und wurde 1932 zum Honorarprofessor in Leipzig ernannt.

Carl Heinrich Ihmels starb sieben Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt am 10. April 1967 in Dresden.

Die Wirkungszeit von Direktor Ihmels war geprägt von den Begegnungen mit den so genannten „jungen Kirchen“. In seiner Amtszeit wurden die Partnerkirchen in Indien (1919) und in Papua-Neuguinea (1956) selbstständig.
Als Missionsdirektor und theologischer Lehrer hat Ihmels die Wandlungen im Missionsverständnis im 20. Jahrhundert begleitet und zum Teil auch mitinitiiert. Das Selbstverständnis der Mission als Bewegung von Europa hin in andere nichteuropäische Länder veränderte sich hin zu einem partnerschaftlichen und auch ökumenischen Miteinander.

Mission war für Ihmels nie Kulturexport. Ihm war es wichtig, das Evangelium nicht einfach „überzustülpen“. Im Austausch mit den Christen in den Partnerkirchen suchte er nach den speziellen Gegebenheiten und Möglichkeiten der jeweiligen Kultur und Tradition. In diesem Zusammenhang steht auch die soziale Dimension des Evangeliums. Diese sogenannte „ökumenisch-missionarische“ Entwicklung mit dem Ziel der Selbständigkeit der jungen Kirchen wurde von Ihmels auch auf zahlreichen ökumenischen Konferenzen weltweit gefördert.
In seinen Reiseberichten sind es nicht die Gespräche mit den Kirchenleitungen, sondern das Miterleben der Gottesdienste und die Teilnahme an den Gemeindeveranstaltungen, die herausragen. Anschaulich erzählte er von einzelnen Begegnungen. „Sehr behutsam geht er mit den Traditionen um, nimmt regen Anteil an den Entwicklungen hin zur Selbständigkeit einzelner Kirchen und setzt sich intensiv ein für schulische und handwerkliche Ausbildungsstätten, die seiner Ansicht nach Teil der Missionsarbeit sind.“, so Georg Plasger im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon.

In der Zeit des Nationalsozialismus war Ihmels Mitglied der oppositionellen Bekennenden Kirche. Obwohl die Arbeit der Mission, die ja vom eigenen Selbstverständnis her Rasseschranken nicht akzeptieren kann, von den Nationalsozialisten stark behindert wurde, sorgte Ihmels doch mit viel Geschick und auch internationalen Kontakten für die Weiterarbeit und auch Ausbildung neuer Missionare. Ihmels sorgte auch dafür, dass die Bestände der Bibliothek des Leipziger „Institutum Judaicum Delitzschianum“ eine Unterkunft in den Räumen der Mission fanden, als die Nationalsozialisten die Arbeit dieser Einrichtung zur Erforschung des Zusammenhangs von Altem Testament und antiker jüdischer Literatur verhinderten.

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