Der Aufbruch

Der Aufbruch

1819 - 1848

Der Anfang geschah durch „Laien“, durch innovative Gemeindeglieder der frühen Erweckung im 19. Jahrhundert. Es waren vor allem Geschäftsleute und Beamte, unter ihnen der sächsische Minister Graf Detlev von Einsiedel. Sie waren bewegt vom Geist der Herrnhuter, einem Aufruf Tübinger Theologen und dem missionarischen Aufbruch auf den britischen Inseln, aus denen einst das Evangelium nach Deutschland getragen worden war. Im August 1819 gründeten sie den Dresdner Missions-Hilfsverein in der Überzeugung: „Die Zeit kommt, wo alles sich drängt, zu dem Reich Gottes zu kommen.“

Der Hilfsverein löste sich 1836 von der Basler Mission als „Ev.-Luth. Missionsgesellschaft zu Dresden“, geleitet von einem „Kollegium“ unter einer Generalversammlung. Dass nun eine ausgesprochen lutherische Aktivität entstand, ging unter anderem zurück auf unionsfeindliche Kräfte aus Preußen, die Ausweitung über Sachsen hinaus auf das Echo, besonders aus Hannover, Mecklenburg, Hamburg, Braunschweig, Bayern, dem Elsass, Polen, Südrussland, Dänemark und Schweden. Man kann nicht sagen, dass sich die skeptische sächsische Landeskirche den Missionsbestrebungen ganz entzog – im Konsistorium gab es „wohlgeneigte“ Personen. Die Ausrichtung auf „die“ lutherische Kirche „aller Lande“ – später ein Keim für deutsche und globale lutherische Einheit – sperrte sich jedoch gegen die Bildung eines landeskirchlichen Werkes. Der prägende Direktor, Karl Graul, stärkte diese Vision nach 1843. Er trat ein für Bildung und Wissenschaft, weshalb man im Jahre 1848 mitsamt Seminar in die Universitätsstadt Leipzig als „Leipziger Mission“ zog. Sie arbeitete zwar mit territorialen Kirchen zusammen, rechtlich aber war sie ab 1850 eine „Eingetragene Genossenschaft“, die sich weithin aus Spenden finanzierte. Die Ordination ihrer Missionare geschah in „der“ (weltweiten) lutherischen Kirche.

Nachdem ab 1837 Absolventen des Dresdner Seminars zur Aussendung bereit standen, wurden 1838 zwei von ihnen (Gottlob Teichelmann und Clamor Schürmann) und 1840 weitere zwei nach Südaustralien geschickt. Sie sollten dort deutsche Aussiedler geistlich betreuen, die Sprache der Aborigenes in der Gegend von Adelaide erlernen und unter ihnen missionieren. Ihre Aufträge gestalteten sich jedoch als so schwierig, dass sie ihre Arbeit 1849 ganz aufgeben mussten. Die Deutschen erwiesen sich weithin als gleichgültig, die Einheimischen als unbeständige Nomaden. Eine aufblühende Schule für die Kinder der Aborigenes wurde von der britischen Regierung übernommen und etwaige Bekehrte von der anglikanischen Kirche beansprucht. Bis heute blieb jedoch von dauerhaftem Wert die literarische Erschließung der Sprachen der Kaurna, der Tandanje und der Parnkalla, eine nicht zu unterschätzende Leistung der Missionare auf ihren Stationen Adelaide, Encounterbay östlich davon und Port Lincoln im Westen. Außerdem konnten später Hermannsburger Missionare unter diesen Stämmen dort erfolgreich anknüpfen, wo die Dresdner/Leipziger die Fäden hängen gelassen hatten.
Ein zweiter Einsatz unter den Chippewa in Nordamerika ab 1848 wurde nach noch kürzerer Zeit wieder abgebrochen.

Pfarrer Dr. Hugald Grafe

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