Myanmar

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Nur rund 2.000 Lutheraner gibt es in Myanmar (Birma). Die kleine Kirche wurde von indischen Christen in der Diaspora gegründet und von Leipziger Missionaren betreut.

Myanmar (Birma), das 50-Millionen-Einwohner-Land musste 1987 wirtschaftlichen Bankrott erklären. Mit eiserner Hand regiert eine Militärgierung seit über 40 Jahren. Sie haben die ehemalige Reiskammer der Region zu einem der ärmsten Länder Asiens heruntergewirtschaftet. Sie verwehren den Menschen Freiheit und Mitbestimmung, foltern, prügeln, morden.
1962 putschte sich Generals Ne Win an die Macht und propagierte den „Weg Birmas zum Sozialismus“. Auf diesem Weg wurden Pakistani und Inder als unerwünschte Ausländer des Landes verwiesen. Hunger und Unterernährung waren an der Tagesordnung.
1989 erhielten Soldaten den Befehl, überall im Land das Feuer auf Protestierende zu eröffnen – eine Reaktion des Militärs gegen die seit 1988 für ihre Freiheit Demonstrierenden. Tausende Studenten, buddhistische Mönche, Nonnen und anderen Zivilisten sollen seither getötet worden sein. Ende September 2007 wurden wieder friedliche Proteste gewaltsam niedergeschlagen.

1870 kamen die ersten Lutheraner in dieses Land, Tamilen aus Südindien. Zwölf Familien aus Tranquebar, Tanjore und Madras – Bauern, Händler, Lehrer, Ärzte, die in Birma Arbeit und eine neue Heimat suchten. Sie sammelten sich und wollten eine lutherische Kirche sein. 1877 entschied die Leipziger Mission, diese indischen Christen in der Diaspora zu unterstützen. Am 24. April 1878 wurde die „Leipzig Evangelisch-Lutherische Mission Rangun“ begründet – ein Datum, das als Geburtsstunde der lutherischen Kirche in Birma gefeiert wird. Aus einer Missionsstation wurde eine Kirche, die von lutherischen Pastoren der Tamilkirche betreut wurde. Die Leipziger Missionare der ersten Stunde Johannes Andreas Mayr, Alwin Gehring und Konrad Ihlefeld sind bis heute wohlbekannt. Im Zuge der beiden Weltkriege und der späteren Abschottung der DDR und Birmas/Myanmars erlahmten die Beziehungen und gingen auf die Schwedische Kirchenmission über.

Pfarrer Jenson Rajan Andrews ist heute Präsident dieser 2.000 Mitglieder zählenden Kirche. Andrews verdeutlicht im Gespräch Kirchengeschichte in einem totalitären System: „Es ist uns verboten, Bibeln zu drucken, weil in ihnen von einem Gott die Rede ist, der leidet und für andere stirbt.“ Er erzählt, wie 1966 auch alle indischen Pastoren das Land verlassen mussten, die bis dahin die Gemeinden versorgten. Dank eines nur wenige Stunden gültigen Einreisevisums konnte der schwedische Bischof Carl Gustav Diehl am 1. April 1967 den Diakon J. J. Andrews, den Vater des jetzigen Kirchenpräsidenten zum Pfarrer und Leiter der Kirche ordinieren. 1995 trat Pfarrer Jenson Rajan Andrews die Nachfolge seines Vaters an.

Als einer, der nie Arzt werden durfte, den die Medizin aber nie losgelassen hat, versorgt er mit seinem Medizinköfferchen Kranke in den abgelegenen Regionen des Landes – Buddhisten, Muslime, Hindus, Christen. Gleich, wer vor ihm sitzt, er hört sich einfühlsam ihre Nöte an, berät, kümmert sich um ihr körperliches Leid, betet mit ihnen und wird als „Vater Andrews“ geschätzt und geliebt. Einige Tage habe ich diesen Dienst mit erleben, mit begleiten können und bin voller Hochachtung. Er zögert, seine Wünsche auszusprechen. Für das Dorf Zwegana, das schwer vom Sturm betroffen war, wünscht er mit den Einwohnern eine neue kleine Klinik und ein stabiles Haus für die fünf jungen Lehrerinnen, die in Notbehausungen leben und sich für den Unterricht vorbereiten müssen. Vielleicht ein neues Dach für die historische Kirche in Yangon, das nach dem Sturm nur notdürftig repariert wurde. Er zögert, seine Wünsche auszusprechen. Er entschuldigt sich sogar, seine Anliegen vorgebracht zu haben. Es ist ihm peinlich zu betteln. Der Abschied fällt mir schwer von ihm, von Christen, die ich hinter einem eisernen Vorhang zurücklasse. „Ich kann nichts versprechen.“ Ich sage ihm das im Blick auf Geld. „Aber ich verspreche, Euch nicht zu vergessen, mit anderen für Euch zu beten und alles zu tun, um Euch zu helfen.“ Vielleicht teilen Sie dieses Versprechen mit mir! Spenden sind unter dem Kennwort „Myanmar“ auf das LMWSpendenkonto herzlich willkommen.