Schwester Lydia Ruhnke

Nachruf

Als wir, das Leipziger Missionswerk, im vergangenen Jahr anlässlich der Erstaussendung einer Missionarin vor 125 Jahren der Frauen im Dienst der Leipziger Mission gedachten, gehörte Schwester Lydia Ruhnke zu den namentlich genannten herausragenden weiblichen Persönlichkeiten unseres Werkes.

28 Jahre ihres Lebens verbrachte sie in unserer Partnerkirche in Tamil Nadu in Indien und war damit eine der dienstältesten Mitarbeitenden der Leipziger Mission. 

In Indien angekommen erlernte sie zunächst 1962 die tamilische Sprache in Thanjavur. Das zweite Examen bestand sie dort 1964. 

Anschließend war sie für vier Jahre als Leiterin der „Elementary High School“ in Thanjavur für die Erziehung, Schulbildung und Gesundheit der Kinder (Mädchen von 8 bis 18 Jahren) verantwortlich.

Nach einem Heimaturlaub übernahm sie 1968 als Leiterin das Mädcheninternat im kleinen Ort Pandur, 60 Kilometer nördlich der Millionenstadt Chennai (früher Madras). Dort blieb sie, unterbrochen durch Heimaturlaub und Erkrankungen, bis 1990 aktiv tätig. 

Ihre Arbeit war ein wirkungsvolles Zeugnis von Gottes Güte und Barmherzigkeit. Schwester Lydia Ruhnke leitete und koordinierte in aller Bescheidenheit, aber nicht weniger eifrig unter anderem die missionarisch-diakonischen Einsätze von Bibelfrauen und Gemeindehelferinnen, die sie in 46 umliegende, oft schwer erreichbare Dörfer führte. 

In der Klinik von Pandur wurden mehr als 20.000 Kranke pro Jahr behandelt. Daneben bereitete sie junge Mädchen in vielfältiger Weise auf ihr künftiges Leben vor und bildete sie in dieser Zeit zu Schneiderinnen aus, einige auch zu Handarbeitslehrerinnen. 

Seit Anfang 1983 zählten zudem ein Kindergarten und eine Kinderkrippe zur Arbeit. Ein Schwerpunkt war aber immer das Mädchenheim, das noch heute Waisen, Halbwaisen und Kindern von kranken und getrennten Eltern den Schulbesuch ermöglicht.

Geboren wurde Lydia Ruhnke 1929 im schlesischen Lüben. Nach Schulbesuch und Katechetenseminar nahm sie eine Ausbildung als Krankenschwester im Diakonissenmutterhaus in Eisenach auf, die sie 1951 mit „Sehr gut“ abschloss.

Ihr Wunsch, im Ausland als Diakonisse zu wirken, führte sie 1959 zum Schwesternkurs ins Leipziger Missionshaus. Am 26. Juni 1962 wurde sie nach Sprachkursteilnahme in England und Übersiedlung nach Neuendettelsau in Erlangen abgeordnet und reiste kurz danach ab Genua aus.

Ihre letzten Jahre verbrachte sie auf ihren Wunsch in der Nähe ihrer Familie im Pflegeheim vom Mutterhaus Altvandsburg in Lemförde.

Nun ist sie am 2. Juli 2016 mit 86 Jahren heimgerufen worden.

Wir sind sehr dankbar für die Mitarbeit von Schwester Lydia Ruhnke in unserem Missionswerk. Wir wissen sie - wie es uns in der Tageslosung (Psalm 30,4) ihres Sterbetages zugesagt ist, in Gottes ewigem Reich geborgen.

Bild: aus der Diaserie "Lydia Ruhnke. Missionarin und Schwester", Bildarchiv LMW

 

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