Schwester Hiltrud Fichte

Nachruf

Schwester Hiltrud Fichte: Sie gehört zur Leipziger Mission wie kaum eine andere. 32 Jahre lebte und arbeitete sie mit großer Hingabe als „Mayuram Amma“ (die Mutter Mayurams) für unser Werk in Indien. Die Unterstützung ihrer alten Wirkungsstätte – auch finanziell – blieb die Aufgabe ihres Lebens – bis sie der HERR am 12. Juli in Dresden zu sich rief. Liebevoll begleitet wurde sie dabei von ihrer Schwester Margit.

Hiltrud Fichte wurde 1925 in Dresden geboren. Aufgewachsen in Hauswalde wurde Schwester Hiltrud nach ihrer Konfirmation in der Marthaschule der Diakonissenanstalt Dresden aufgenommen. 1941 ging sie nach Eisenach, um in der dortigen Diakonissenhausstiftung ihre begonnene Ausbildung zur Kindergärtnerin fortzusetzen, die sie 1944 abschloss.  Nach Ende des Krieges begann sie als Kindergärtnerin in der Diakonissenanstalt in Dresden. 

Gegen den Wunsch ihrer Mutter entschied sie sich, ihr Leben ganz in den Dienst Jesu zu stellen und Diakonisse zu werden. 1949 trat sie in die Gemeinschaft ein. „In der Weihnachtszeit 1950 wurde mir klar, dass mein Weg mich einmal in die Mission führen würde, wahrscheinlich nach Indien“, schreibt sie in ihrem Lebenslauf. Eine Krankenpflegeausbildung schließt sie 1953 mit dem staatlichen Examen ab. Im Januar 1954 wird sie zur Diakonisse eingesegnet. Bereits zwei Wochen später führt sie ihr Weg ins Missionshaus Leipzig, anschließend ins Mutterhaus nach Neuendettelsau und zum Sprachkurs nach England. 1955 zieht sie „nicht ganz legal“ nach Neuendettelsau um. Damit ist auch klar, dass sie nicht mehr in die damalige DDR zurückkehren können wird.

Zwei Jahre muss sie auf ihr Arbeitsvisum für Indien warten und arbeitet in dieser Zeit in verschiedenen kirchlichen Einrichtungen. 

Schließlich wird sie am 24. Juni 1955 von Missionsdirektor Carl Ihmels in Nürnberg zum Missionsdienst in Indien abgeordnet. Im August erreichte sie Madras (heute Chennai). Sie erhielt zunächst intensiven Sprachunterricht in Tanjore (heute Thanjavur). 1959 übernahm sie die Leitung der Girls‘ Christian Highschool in Tanjore. 

Nach ihrem ersten Heimaturlaub wurde sie 1964 nach Mayuram versetzt. Dort war sie nicht nur für die Grundschule und das Kinderheim, sondern auch für die ausgedehnten Palmen-, Bananen- und Mangoplantagen verantwortlich. Am 1. Oktober 1989 kehrte sie nach Neuendettelsau zurück und konnte den Fall der Mauer bei ihrer Schwester in Halberstadt miterleben. 2002 zog sie ins Dresdner Diakonissenhaus um.

Über 25 Jahre lang arbeitete sie „schwesterlich verbunden, Seite an Seite und Hand in Hand“ mit Siron Athisayam, der Leiterin der Frauenarbeit in der Tamilischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (TELC). Auch zu ihren Nachfolgerinnen hielt sie beständigen Kontakt und begleitete deren Arbeit mit mütterlichem Rat. Dort empfing sie bis zuletzt immer wieder gern Gäste aus Tamil Nadu. Schwester Grace Padma, Diakonissenmutter in Mayiladuthurai, schreibt in ihrer Kondolenz: „Die Ermutigung und Unterstützung in schweren Zeiten, die Führung mit Gottes Wort bei Unsicherheiten, die enthusiastischen Rundbriefe an ihre eigne Weltgemeinschaft im Advent – wie sollte man das ersetzen?“

Schwester Hiltrud Fichte wurde am 22. Juli in Dresden im Beisein zahlreicher Gäste beigesetzt. Die Trauerpredigten hielten Dr. Christian Samraj, Botschafter der TELC, und der Rektor der Diakonissenanstalt Dr. Thilo Daniel. In Mayiladuthurai wurde am selben Tag ein Dankgottesdienst gefeiert. 

 

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