125 Jahre Evangelium am Kilimanjaro

Festgottesdienst in Machame

125 Jahre Evangelium am Kilimanjaro

Als Missionar Emil Müller am 8. Oktober 1893 – vor 125 Jahren – die erste lutherische Predigt am Kilimanjaro hielt, wählte er einen Satz des Propheten Jeremia 22,29: "O Land, Land, Land, höre des Herren Wort!" Drei Tage zuvor hatten fünf Leipziger Missionare ihre selbst genähte, weiße Flagge mit dem roten Kreuz aufgerichtet. Hier in Machame sollte die erste Missionsstation der Leipziger Mission in Ostafrika entstehen. 

Von der lokalen Herrscherfamilie Shangali wurden sie freundlich empfangen. Bereits 1849 hatte Johannes Rebmann als Missionar der Englischen Kirchenmission eine Bibel übergeben und verkündet, es würden weitere Männer kommen, die mehr darüber erzählen würden. Fast 50 Jahre wartete man darauf zu erfahren, was es mit diesem Buch wohl auf sich hätte.

Unter der Leitung des erfahrenen Indienmissionars Traugott Päsler kamen vier jungen Missionare – neben Müller aus Zschopau, Robert Faßmann aus Plauen, Albin Böhme aus Dorfhain bei Tharandt und Gerhard Althaus aus Fallersleben/Hannover. Sie wollten das Wort Gottes in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika verkünden und es fiel auf sehr fruchtbaren Boden.

Die Missionare lernten, wie es ihnen im Leipziger Missionsseminar nahegelegt wurde, zuerst die Lokalsprachen. Insbesondere die Schulen, die teilweise noch vor den Kirchen gebaut wurden, hatten regen Zulauf. Die Kirchenmänner waren schnell als Lehrer geschätzt aber auch als Helfer in verschiedenen Notsituationen. Ihrerseits waren sie natürlich auf die Unterstützung vor Ort angewiesen. Gemeinsam ging es in Machame gut voran. Binnen zweieinhalb Jahren wurden zwei weitere Stationen am Kilimanjaro – Moshi (heute Kidia) und Mamba – gegründet.

Dort, wo Müller 1893 seine erste Predigt hielt, wurde nun mit tausenden Christinnen und Christen unter dem Jeremia-Wort das 125-jährige Jubiläum gefeiert: ein vierstündiger Festgottesdienst, mit Einweihung einer Grundschule und eines Gemeindezentrums, mit gut einhundert Konfirmanden und 5.000 Gästen aus den mittlerweile sechs Landeskirchen, die im Norden Tansanias aus der Arbeit der ersten Missionare entstanden sind. Die Nord-Diözese, in der auch die ersten drei Missionsstationen liegen, ist heute eine Partnerkirche der sächsischen Landeskirche.

Aus den Anfängen der Leipziger Mission am Kilimanjaro und der Berliner Mission im Süden Tansanias ist mittlerweile mit 6,5 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Kirche im Lutherischen Weltbund gewachsen - die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELCT). Sie ist seit 55 Jahren selbstständig und ihre Mitgliederzahl wächst stetig.

Tansanische Christen loben heute den ganzheitlichen Ansatz der Leipziger Missionare. Sie brachten ihnen das Evangelium, aber eben auch Bildung und Gesundheit. Ein älterer Pfarrer spricht von den drei 'S': Soup, Soap und Spirit – Suppe, Seife und Seligkeit. 

Auch der Bischof der Nord-Diözese und Leitender Bischof der ELCT, Dr. Frederick Shoo, will lieber nicht darüber nachdenken, was wäre, wenn die Missionare nicht gekommen wären. Während eines zweitägigen Symposiums im Vorfeld des Festgottesdienstes bat einer der Referenten die Teilnehmer: „Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, es gäbe die lutherische Kirche nicht.“ Dann zählte er eine Vielzahl von kirchlichen Einrichtungen auf - von der Buchhandlung bis hin zum „Kilimanjaro Christian Medical Centre“, einem großen lutherischen Krankenhaus in Moshi. Damit wurde allen sehr bewusst, welchen Stellenwert die lutherische Kirche für die tansanische Gesellschaft hat. 

Ein besonderer Gast des Jubiläums war Gertrud Ahlrichs. Die 68-Jährige ist eine Enkeltochter von Missionar Gerhard Althaus. Ihre Mutter kam in Tansania zur Welt. Für Ahlrichs war es sehr bewegend zu sehen, was aus der Arbeit ihres Großvaters gewachsen ist. Mit großem Jubel wurden ihre Grußworte aufgenommen und Bischof Shoo kommentierte: „Vielleicht stehen in 100 Jahren irgendwo in Deutschland die Nachfahren eines Tansaniers auf, weil ihnen gedankt wird, dass ihr Großvater die Kirche soweit voran gebracht hat“. So verändern sich heute die Perspektiven. Missionsland Deutschland. Karibu sana: Herzlich willkommen.

 

««« zurück