„Wie in einem trüben Spiegel“

Ausstellung zur Ostafrika-Fotografie der Leipziger Mission, 1896-1939

„Wie in einem trüben Spiegel“

Ausstellung zur Ostafrika-Fotografie der Leipziger Mission, 1896-1939

Am 24. Juni wurde die Ausstellung „Wie in einem trüben Spiegel“: Ostafrika-Fotografie der Leipziger Mission, 1896-1939 des Instituts für Afrikanistik der Universität Leipzig mit etwa 80 Gästen eröffnet.

Sie ist bis 31. Juli 2011 montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr und freitags von 10 bis 14 Uhr sowie vor und nach Veranstaltungen geöffnet.

Seit 2003 beteiligt sich das Institut für Afrikanistik der Universität Leipzig am Internet-Projekt „International Mission Photography Archive“, das von der University of Southern California (USA) koordiniert wird. Unter den bis Ende 2011 85.000 historischen Fotografien finden sich auch rund 1.700 von insgesamt 3.500 Bildern aus dem Archiv des Leipziger Missionswerks, die zwischen 1896 und 1939 in Ostafrika aufgenommen wurden. Aus Anlass des 175. Jubiläums des Missionswerkes hat eine Gruppe von Studierenden unter Leitung des Afrikanistikprofessors Dr. Adam Jones 100 besonders schöne und exemplarische Motive aus dem Norden des heutigen Tansania ausgewählt und in einer Ausstellung aufbereitet. Die Mehrzahl war noch nie außerhalb des Missionshauses zu sehen.

Einst entstanden für Lichtbildvorträge, Postkarten, Pamphlete, Bücher und Zeitschriften der Mission sind die Fotografien heute eine wertvolle Quelle für die Wissenschaft. Nur ein kleiner Teil befasst sich direkt mit der Missionsarbeit: Kirchenbau, Evangelisationsreisen, Gottesdienste und so weiter. Die Fotografien zeigen vor allem auch Aspekte des Alltags der Missionare – Kaffeetische, Familienfotos, Krankenhäuser – aber auch vieles aus dem Leben von Afrikanern: Kinderspiele, Frisuren, Schmuck, Gehöfte, Handwerke, Krankheit, Versammlungen, Feste und Tänze. Auch Landschaften, die Eisenbahn und Tiere werden thematisiert.

„Wir besitzen viele Schriftquellen zur Geschichte Ostafrikas während der Kolonialzeit, aber im Vergleich zu Deutschland in der gleichen Periode sind diese Quellen spärlich und lassen viele Aspekte des Alltages unerwähnt. Gewissermaßen lässt sich dieser Mangel kompensieren, wenn man Fotos hinzuzieht.“, so Professor Adam Jones. Allerdings können die Fotos nicht „für sich“ sprechen: Sie brauchen ergänzende Dokumentation und fordern den Betrachter zum Denken heraus. Deshalb haben die Studierenden viel Zeit und Mühe investiert, um die Ausstellung
in einem Seminar zu konzipieren und die Bilder in einem erläuternden Zusammenhang zu präsentieren.

Elke Bormann, die im LMW für das Bildarchiv zuständig ist, freut sich über die Unterstützung: „Erst seit etwa 15 Jahren werden Bedeutung sowie Umfang des fotografischen Nachlasses erkannt – und immer wieder kommen zusätzliche Schätze zum Vorschein oder werden uns als Nachlass übergeben. Die Aufarbeitung selbst ist im kirchlichen Rahmen finanziell wie personell kaum möglich. Deshalb sind wir Professor Jones, seinen Studenten, aber auch anderen universitären Einrichtungen für ihre Forschungsarbeiten außerordentlich dankbar.“

„International Mission Photography Archive“ 

 

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