Christliche Mission heute

EKD-Ratsvorsitzender in Leipzig

Am 6. Oktober sprach der EKD-Ratsvorsitzende Präses Nikolaus Schneider in der Leipziger Nikolaikirche zum Thema "Christliche Mission heute - einladend, offen, ökumenisch". Er folgte einer Einladung der Deutschen Gesellschaft für Missionswissenschaft, die derzeit aus Anlass des 175-jährigen Bestehens des Leipziger Missionswerkes in Leipzig tagt.

Schneider, der sich freute, das erste Mal auf der Kanzel der  Nikolaikirche zu stehen, würdigte zu Beginn die Beiträge, die von Leipzig ausgingen.

Die Missionare der Leipziger Mission hätten vorbildhaft für viele  andere gezeigt, was kultursensible Mission bedeute. Schon der Einsatz der ersten vier Missionare bei den Aborigines in  Südaustralien zeuge von dem Respekt für Sprache und Kultur  anderer Völker. Schneider erinnerte daran, dass die Leipziger  Mission mit ihrer Ausrichtung auf alle lutherischen Kirchen die  Wurzel für den Lutherischen Weltbund ist.

Die Leipziger Nikolaikirche sei 1989 ein Ort der Zuflucht  gewesen. Schneider bedauerte, dass die positive Rolle der  Kirche in der Friedlichen Revolution nicht auch zu einer  Erweckungsbewegung geführt habe. Sie habe ohne Zweifel  einen Zeugnischarakter mit einer missionarischen Dimension  gehabt. Aber es bleibe die Frage, ob es wirklich eine offene  Einladung in die Jüngerschaft  Jesu Christi gewesen sei.

Präses Schneider erinnerte außerdem an die EKD-Synode 1999  in Leipzig. Damals war das Schwerpunktthema "Reden von Gott  in der Welt". Damals bekannte man sich zwar deutlich dazu,  dass Kirche ohne Mission nicht zu denken sei. Es wurde aber  auch festgestellt, dass der Begriff "Mission" das Schicksal eines  Schulkindes teile, das in die Ecke gestellt worden sei. Schneider  hält die Ablehnung allerdings heute für überwunden.

Für christliche Mission gebe es zwei unabdingbare Grundkategorien. Zum einen müsse es sich bei der Weitergabe  des Glaubens um persönliche Erzählungen handeln. Es müsse  darum gehen, vom eigenen Glaubensweg zu berichten. Zum  anderen müsse man andere Menschen als Gesprächspartner  wahrnehmen und sich auch mit kritischen Argumenten  auseinandersetzen.

Ausführlich setzte sich Schneider mit dem Code of Conduct  (Verhaltenskodex) auseinander, der als internationale  Handreichung zur Mission in diesem Jahr vom Ökumenischen  Rat der Kirchen, dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen  Dialog und der Weltweiten Evangelischen Allianz verabschiedet  wurde. Gemeinsam stehe man für das christliche Zeugnis in  einer multireligiösen Welt. Die Bibel als tragendes Fundament  sei die verbindliche und verbindende Grundlage. Aus den zwölf  Prinzipien hob er die Ablehnung von Täuschung und  Zwangsbekehrung hervor. Dies sei "Verrat am Evangelium".

Vor allem das Bedürfnis nach Heilung dürfe nicht ausgenutzt  werden. Die Heilung der Seele müsse aber eine wichtigere Rolle spielen, denn "Menschen haben nicht nur einen Körper. Sie sind  ein Körper." An dieser Stelle könnten die deutschen  Protestanten viel von den Geschwistern im Süden lernen. Der  Glaube müsse das Fühlen und das Denken ansprechen.  Mission sei nicht nur eine "rationale Vermittlunsgaufgabe". Die  Sehnsucht nach mysthischen Erfahrungen müsse ernster  genommen werden.

Schneider trat dafür ein, Gläubige anderer Religionen in erster  Linie als Gesprächspartner zu sehen. Der Dialog müsse im  Mittelpunkt stehen, nicht das Ziel der Konversion. Gerade das  Verhältnis zwischen Juden und Christen sei eine besondere  Aufgabe für die Kirchen in Deutschland. "Judenmission ist uns  Christenmenschen nicht geboten", so der EKD-Ratsvorsitzende.

Er ermutigte, den eigenen Glauben zu stärken. Man dürfe nicht  nur fordern, dass sich andere mit dem Glauben beschäftigen  sollten. Alle Christenmenschen müssten sich begeistern lassen,  ihre Glauben zu bekennen. Mission heute heiße in  diesem Sinn auch, dass die Kirche zunächst bei sich selbst  anfängt. Als missionarische Kirche sei man immer auf dem Weg und immer wieder bereit zu neuen Aufbrüchen.

Beim anschließenden Podiumsgespräch mit Dr. Claudia Jahnel  von Mission EineWelt in Neuendettelsau und Prof. Dr. Peter  Zimmerling von der Theologischen Fakultät Leipzig ging es unter  anderem um die spezifische Situation in Ostdeutschland. 
Abschließend betonte Präses Schneider noch einmal, wie  wichtig es sei, einladend zu sein: "Nie zwingen, aber einladen."  Man könne darauf vertrauen, dass Gottes Wort eine Kraft in sich  habe. Aber Christenmenschen dürften auch ruhig Anwältinnen  und Anwälte der Kraft der Schrift sein.

>> Wortlaut des Vortrags

 

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